Frankreich – Provence April 2009

Text: Hans-Werner                                                                                                                    Fotos: Hans-Werner und Lena

 

Bei der Urlaubsplanung am Anfang des Jahres habe ich ohne konkrete Überlegungen eine Woche auf Ende April gelegt. Als der Termin immer näher rückte, haben wir uns kurzerhand für die Provence entschieden.

Insgesamt sind wir vom 24.04. bis 03.05.2009 unterwegs gewesen und haben 2.269 km hinter uns gebracht. Die Dieselpreise bei den Supermärkten lagen zwischen 91,9 bis 94,9 ct.
Das dortige Tanken ging auch außerhalb der Geschäftszeiten problemlos mit unserer normalen BankCard. In allen Orten gab es nach Sondierung der Marktlage Restaurants/Bistros/Cafés mit günstigen Menüpreisen um die EUR 15,00.

 

Freitag, 24.04.2009

Gegen Abend fahren wir von Limburg über Luxembourg ( 82,1 ct/ l Diesel) nach Pont-a-Mousson. Hier verbringen wir eine geruhsame Nacht auf dem Stellplatz an der Mosel (EUR 6,00 inkl. VE + Strom).

Tagesstrecke: 285 km

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Samstag, 25.04.2009

Am nächsten Morgen haben wir nicht erst auf den Bäcker gewartet, der gegen 08.30 Uhr erscheint. Denn heute sollte es ein langer Ritt bis nach Saintes-Maries-de-la-Mer werden. Also fahren wir nach unserem Frühstück um 08.15 Uhr los. Direkt beim Ortsausgang geht es auf die kostenlose Autobahn bis nach Nancy. Hier wechseln wir auf die Landstraße über Langres bis Dijon Süd. Im dortigen Industriegebiet tanken wir beim Supermarkt (93,6 ct), gehen noch einkaufen und kochen unser Mittagessen bevor es wieder auf die Autobahn geht. Obwohl es ca. 14.30 Uhr an einem Samstag ist, sind wir in einer ¼ Std. durch den Tunnel durch Lyon gerauscht. Es geht zügig voran und den nächsten Tankstopp gibt es bei einem Supermarkt in Avignon (92,9 ct). Über Arles eilen wir an unser Ziel nach Stes. Maries. Es kommen uns einige Wohnmobile entgegen und schon taucht wie immer die bange Frage auf, „Sind die beiden Stellplätze schon voll?“. Angst macht sich breit. Trotzdem fahren wir mit einem schönen Gefühl durch die letzten Reisfelder. Es beginnen schon die Pferdekoppeln, wo die vielen Touristen auf den Rücken der tollen Camargue-Pferde durch das Naturschutzgebiet reiten können.

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Die markante Kirche erscheint über dem Horizont. Kurz hinter dem Ortseingang sehen wir bereits den proppevollen Stellplatz im Ort. Die Unsicherheit wird größer, als wir weiter in Richtung Stellplatz „Plage Est“ fahren. Noch einmal geht es in den Kreisel und um das Talasso-Haus herum und große Erleichterung macht sich breit. Vor uns liegt der zwar gut besuchte, aber noch mit vielen freien Plätzen versehene Stellplatz. Wir finden sogar noch einen Platz in der ersten Reihe am Meer. Es ist mittlerweile 18.45 Uhr.

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In Stes. Maries zu sein, heißt für uns fast zuhause zu sein. Zum ersten Mal waren wir 1974 hier. Das war damals unser erster Camping-Urlaub. Seit dem gab es immer wieder Stippvisiten. So stört es uns auch nicht, dass ein starker Wind weht. Wir nehmen einen ersten Schluck am Platz und starten einen Rundgang durch den Ort. Stes. Maries hat sich erweitert. Die Struktur und der Charakter sind aber geblieben. Bestimmte Cafés sind da, wo sie immer waren. Ebenso verhält es sich mit den Geschäften, den Restaurants und dem Bäcker. Auch die kleinen Läden des täglichen Bedarfs für die festen Einwohner sind in den kleinen Gassen, wie eh und je. Im Ort hat sich nichts geändert, trotz des vielen Tourismus.

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Nach einer kurzen Besichtigung genießen wir in einem Fischerimbiss gegenüber der Arena ein paar kleine Leckereien, wie Tellines, Palourdes und kleine Calamares aus der Pfanne supplement une caraffe du vin rose. Der Wind wird stärker und es fängt an zu nieseln. In einer trockenen Phase gehen wir zurück zum Wohnmobil. Direkt am Wasser stürmt es schon etwas mehr. Aufgrund der langen Fahrt und des Weines gehen wir zur Nachtruhe über.

Tagesstrecke: 744 km

 

Sonntag, 26.04.2009

Der Sonntag begrüßt uns in der Nacht mit einem ausgewachsenen Sturm. Links und rechts sind wir ja durch andere Wohnmobile geschützt. Doch der Sturm kommt von vorn. Hinzu kommt ein irrer Regen und ab und zu klatscht uns ein Schwall Meerwasser an den Alkoven. Unser armes Womo wackelt. An Schlaf ist nicht mehr viel zu denken. Auf dem Meer ist am Morgen kein Schiff zu sehen. Nur ein einsamer Kite-Surfer müht sich ab, lässt es aber bald wieder sein. Zum Glück ebbt der Regen im Laufe des Vormittags ab. Auch der Sturm nimmt ab. Wir ziehen wieder in den Ort, suchen uns ein passendes Lokal aus und nehmen unser erstes Menü ein. Nachmittags machen wir einen Spaziergang zum Strand, oder zu dem, was davon noch übrig ist.

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Das Meer hat sich in den letzten Jahren einen Großteil des riesigen Sandstrandes wieder zurückgeholt. Zum Schutz vor weiterer Erosion wurden Wälle aus Steinen aufgehäuft und Gräben durch das Strandgebiet gezogen. Dort wo wir 1974 mit vielen Tausenden am Strand „wild“ gezeltet haben, hat nun wieder das Wasser die Vorherrschaft übernommen.

Es ist mittlerweile wärmer geworden und wir können doch noch in der Sonne sitzen.

Tagesstrecke: 0 km

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Montag, 27.04.2009

Die Sonne lacht uns schon früh am Morgen ins Gesicht. Heute ist in Stes. Maries Markttag. Es ist ein typischer Markt mit breitem Sortiment. Es gibt Lebensmittel, Lederwaren, Bekleidungsartikel, Haushaltswaren, Schmuck und Spielwaren.

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Am Nachmittag zieht es uns mit dem Fahrrad in die Tiefen des Naturschutzgebietes. Wir sehen viele Tausende von Flamingos in den Weiten der Camargue.

Tagesstrecke: 0 km

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Dienstag: 28.04.2009

Heute Morgen beim Frühstück fällt mir auf, dass in Stes. Maries die Stellplatzgebühr von EUR 8,50 nicht für die Nacht, sondern für den Tag von 08.30 bis 18.00 Uhr bezahlt wird. Als der Wächter kommt, erkläre ich ihm, dass wir nach dem Frühstück fahren und gut ist.

Weiter geht es also wie geplant nach Carro. Auf dem Weg dorthin machen wir einen kurzen Stopp in Istres. Wir sind überrascht, welche Baustruktur hier vorhanden ist. Und wieder kommen wir zu einem Wochenmarkt.

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Nach einem guten Mittagessen geht es weiter, vorbei an dem mondänen Ort Martigues fahren wir ans Ende der Welt, nach Carro, Ende April.

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Es ist ein schöner großer Stellplatz an einem felsigen Strand mit gutem Wind für Surfer bzw. Kite-Surfer. In dem wunderschönen und im April beschaulichen Hafenort haben ein Bäcker, ein kleiner Lebensmittelladen und eine Bar offen. Die Stellplatzgebühr von EUR 6,00 wird bei der Einfahrt beglichen. Wenn man länger bleiben möchte, muss man, da man nun ohne Auto vor der Einfahrt steht, eine bestimmte Prozedur verrichten, die aber noch von „Oldie“ erklärt werden wird, den wir auf dem Stellplatz getroffen haben. Nachts stürmt es wieder und die Wellen brechen sich laut an der Felsküste.

Tagesstrecke: 121 km

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Mittwoch, 29.04.2009

Wir wollen in die Montagne du Luberon. Über die D 9 und D 543 geht es in eine bezaubernde Mittelgebirgslandschaft. Wir kommen durch ein Weinbaugebiet mit kleinen Orten, die wie Wespennester irgendwo an den Hügeln hängen.

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Es sind Dörfer mit kleinen Gassen und mittelalterlichen Häusern. So geht es an Rognes und Cadenet vorbei nach Lourmarin. Wir wollten eigentlich noch weiter nach Bonnieux zu einem Winzer, doch wir sind so begeistert, dass wir uns am Rande von Lourmarin bei einem großen Bouleplatz zu einigen anderen Wohnmobile auf einen Parkplatz gesellen, um dort zu übernachten.

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Lourmarin besteht aus einem Schloss, einem ausgeprägten Ortskern und einem Friedhof, auf dem sich das Grab des Schriftstellers Albert Camus befindet. Camus hat hier in Lourmarin die letzten Jahre verbracht. Einige Nachkommen von ihm leben noch dort. Aufgrund dieser Tatsache gibt es auch keine Hinweisschilder über das Wohnhaus. Ansonsten findet man im Erdgeschoß der alten Häuser eine Vielzahl von Galerien und schönen Geschäften. Geruhsame Cafés liegen an den kleinen Plätzen in der Ortsmitte.

Tagesstrecke: 80 km

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Donnerstag, 30.04.2009

Nach einer sehr ruhigen Nacht fahren wir weiter nach Bonnieux. Dieser Ort und ein kleiner benachbarter Weiler namens Ménerbes wurden durch Peter Mayle und sein Buch „Ein Jahr in der Provence“ bekannt, zum Leidwesen der dortigen Einwohner (Eine schöne Lektüre, wenn man vor hat, in die Provence zu fahren. Der Leser findet beim wiedererleben in der Natur den wirklichen Zugang zur Provence. Natürlich erkennt er auch viele Vorurteile, die das Leben so lebenswert machen.).

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Durch den Zuzug von vielen Engländern stiegen die Preise für alte Gebäude oder baubereite Grundstücke. Doch Bonnieux selbst ist ruhiger als Lourmarin, es ist natürlicher und der Alltag steckt zwischen den Mauern.

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Von der Kirche oberhalb der Häuser hat man eine herrliche Aussicht hinüber zum Mont Ventoux. Die Südseite des Mont Ventoux scheint schon frei zu sein, die Nordseite ist noch weiß vom Schnee. Weiter nach links sieht man Lacoste mit der Burg des Marquis de Sade, dann kommen die verstreuten Häuser von Ménerbes.

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Bei der Weiterfahrt suchen wir den Winzer, bei dem wir übernachten wollen; ohne Erfolg. Dafür finden wir eine alte römische Brücke (Pont Julien aus dem Jahre 3 v. Chr.) über den oder die Coulon.

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Als nächstes geht es nach Roussillon; mitten ins Ockergebiet. Die vorherigen provencalischen Ortschaften waren grau oder graubraun. Roussillons Häuser sind in allen Rotschattierungen gestaltet.

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Wir haben wieder einen Wochenmarkt und genießen ein tolles Menü. Der ehemalige Ockerbruch ist für EUR 2,50 zu besichtigen. Der Ocker zeigt sich von einem gelb-weißen Ton über rot bis violett und sogar grünen Abwandlungen.

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Die Sonne strahlt vom Himmel. Da es noch früh am Tag ist, wollen wir noch nach Gordes fahren. Gordes liegt wie die anderen Städte oben auf einem Hügel. Wir machen Fotos von der Straße aus, sind aber nicht mehr in der Lage, einen weiteren Ort anzuschauen.

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Der Stellplatz ist nicht so schön, dass wir hier bleiben möchten. Also geht es weiter nach Fontaine-de-Vaucluse.

Wir hatten eine Abkürzung genommen und kommen über eine Straße mit 14 % Gefälle nach Fontaine-de-Vaucluse. Es geht durch den Ort über die Brücke der Sorgue weiter zum Stellplatz (Stellplatzgebühr von EUR 3,00 inkl. V+E ohne Strom). Dort ist ein reges Wohnmobilaufkommen mit ca. 80 Wohnmobile.

Tagesstrecke: 134 km

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Freitag, 01.05.2009

Am Morgen gehen wir zur Quelle der Sorgue. Vor einigen Jahren waren wir schon einmal hier. Die Quelle zeigte sich als größere Mulde in einer Felshöhle mit einem geringen Wasserausstoß. Heute ist die ganze Fläche an der Felswand wie ein riesiges Wasserbecken ausgefüllt. Die Quelle selbst nimmt man nur als ganz leicht kräuselnde Wasseroberfläche war. Sobald es aber in das Flussbett hineingeht, schießt das Wasser mit einer Urgewalt weiter.

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Nach dem Spaziergang wird schnell entsorgt und weiter geht es Richtung Heimat.

Wir fahren auf die D 938 und die D 31 und unser Ziel steht noch nicht fest, da wir nicht wissen, wie weit wir heute kommen. Der Wind hat wieder zugenommen und erwischt uns auf manchen Strecken ganz schön aus Westen und Nordwesten. Als wir Pernes-les-Fontaines erreichen, erinnern wir uns daran, dass gestern von einem Vertreter des Ortes auf dem Stellplatz in Fontaine-de-Vaucluse Prospekte verteilt wurden. Leistung muss belohnt werden. Wir halten also an, und auf der Suche nach einem Restaurant machen wir eine kleine Stadtbesichtigung. Wir finden auch ein ganz tolles kleines Gartenrestaurant, das erst heute aufgemacht hat und bis Ende September geöffnet bleibt. Hier sehen wir auch, dass kleine Sträuße mit Maiglöckchen weiter verschenkt werden. In den letzten Tagen gab es diese schon überall zu kaufen.

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Gut gestärkt fahren wir über Vaison-la-Romaine, Crest (hier hat uns der Stellplatz zum Übernachten nicht so gut gefallen.) bis nach Montvendre, südlich von Valence. Dies ist ein klitzekleiner Ort mit einer Schneckenfarm, die wir uns bei France Passion als Übernachtungsplatz ausgesucht haben. Von Frau Christel Quaillet, der Betreiberin der Farm, bekommen wir dann auch eine Einführung in die Schneckenzucht. Wir sehen die Schnecken, wie und wo sie ihre Eier legen, und wie die Eier sich weiterentwickeln. Innerhalb eines Jahres werden dort 3 Mio. Schnecken gezogen und weiterverarbeitet bzw. verkauft. Lt. Auskunft der Züchterin, hat sie damit einen Betrieb mittlerer Größe.

Tagesstrecke: 159 km

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Samstag, 02.05.2009

Bei Valence fahren wir auf die Autobahn. An de Autobahnkreuz vor Lyon lassen wir uns nicht auf die längere äußere Umgehung leiten, sondern nehmen die innere Peripherique. An der Ausfahrt Bourg-en-Bresse fahrenwir dann auf der N 83 bis hinter Baume-les-Dames. Wieder auf der Autobahn geht es bis kurz hinter Belfort und weiter zu unserem Übernachtungsplatz nach Chavannes-sur-L’Etang.

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Der Stellplatz soll, sofern eine zuständige Person da ist und den Platz anweist jetzt EUR 5,00 inkl. V+E mit Strom kosten. Es war aber niemand da. Am Abend kam eine Pizzabude auf den Platz; das Mobbel wurde angeworfen und der Verkauf ging los. Es gab binnen kurzem eine lange Warteschlange, denn nicht nur die Leute vom Stellplatz, sondern auch die Bewohner aus den umliegenden Orten wollten Pizza essen. Es gingen laufend neue Bestellungen per Telefon ein. Es lebe das Handy. Auf jeden Fall war die Pizza preiswert, groß und gut. Wir hatten zwar vorgehabt, in Chavannes Flammenkuchen zu essen, hatten uns aber aufgrund des aufkommenden Regens anders entschieden.

Tagesstrecke: 432 km

 

Sonntag, 03.05.2009

Nun geht es auf unsere letzte Etappe nach Limburg. Bis kurz vor Colmar fahren wir noch Landstraße. Dann fahren wir bis Mainz auf der Autobahn und über Wiesbaden wieder nach Hause.

Tagesstrecke: 394 km

 

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