Text: Hans-Werner Fotos: Hans-Werner und Lena
Nach einem Kurztrip im Februar ins Elsass stand im März die Hauptuntersuchung für unser Wohnmobil an. Daraus entwickelte sich ein 14-tägiger Werkstattbesuch, der gefühlt den gesamten März andauerte. Warten bis zur nächsten Ausfahrt war angesagt.
Endlich konnten wir vom 09. April bis zum 04. Mai 2025 in Frankreichs Süden fahren. Dabei haben wir uns hauptsächlich fürs Languedoc-Roussillon und den Weg in die Camargue entschieden. Den Abschluß bildete in Hanau ein Konzert mit Konstantin Wecker.
Insgesamt haben wir 2.934 km zurückgelegt. Übernachtet haben wir auf Wohnmobil-Stellplätzen, oder nicht reglementierten Parkplätzen, sowie auf dem Campingplatz in Les Saintes Maries de la Mer.
Mittwoch, 09.04.2025
Da wir schon gestern fast alles gepackt haben, kommen wir heute mal früh weg. Unser erster Stopp ist wie immer die Raststätte Wasserbillig in Luxembourg. Dort tanken wir und nehmen einen kleinen Imbiss im Wohnmobil zu uns. Der Kaffeekauf gehört natürlich auch dazu.
Kurze Zeit nach dem Zwischenstopp geraten wir in einen Baustellenstau. Und nach dem Grenzübertritt erwischt uns bei Pont-à-Mousson auf der A31 ein langer Stau bis in Höhe von Nancy.
Auf dem weiteren Weg in Richtung Süden verlassen wir bei Toul die Autobahn und fahren auf der Landstraße weiter. Wir wollen heute bis in den kleinen Ort Goncourt kommen. Als wir dort in die kleine Seitenstraße zum Stellplatz einfahren, erleben wir eine große Überraschung. Es ist jetzt doch schon spät geworden. Der kostenlose Stellplatz mit V+E (Spende EUR 3,00) ist voll. Wir erwischen gerade noch eine kleine Lücke am Rande. Wahrscheinlich sind wir in eine Rückreise-Zeitspanne der Spanien-Überwinterer geraten. Denn so etwas haben wir hier noch nicht erlebt.
Tagesstrecke: 411 km
Donnerstag, 10.04.2025
Die Sonne weckt uns. Es ist herrliches Wetter. Einige Wohnmobilisten haben bereits sehr früh ihre Motoren angeworfen um weiter zu fahren.
Wir bereiten unser Frühstück vor. Baguette und Croissants gibt es noch immer in der kleinen Alimentation, Bar, Tabac.
Und der Metzger fährt am anderen Ende des Platzes mit einem Verkaufswagen vor, wo die Einheimischen für ihren Einkauf genügend Parkmöglichkeiten vorfinden.
Nach der Ver- und Entsorgung fahren wir heute zuerst auf der D674 kreuz und quer durchs Land über Chaumont und Chatillon-sur-Seine ins nördliche Burgund. Dabei nutzen wir nicht nur Nationalstraßen, sondern unser Navi nimmt uns auf eine Erlebnistour über bessere Feldwege mit. Hier im Burgund haben wir einige Übernachtungsmöglichkeiten, aber auch zwei Orte, in denen wir viel sehen können.
Unsere erste Station ist Alise-Sainte-Reine, besser gesagt das am Fuße des Ortes gelegene Museum „Alesia“. Leider dürfen wir hier nicht übernachten.
In dem Museum Alesia werden Ausgrabungserkenntnisse über eine Siedlung Cäsars ausgestellt, der hier den letzten verbliebenen Gallierfürsten, Vercingetorix, in eine endgültige Schlacht i. J. 52 v. Chr. zwingen wollte. Denn dieser hatte sich nach zermürbenten Scharmützeln in das Oppidum oberhalb des heutigen Alise-Sainte-Reine zurückgezogen. Nach wechselnden Erfolgen musste sich Vercingetorix mit seinen verbliebenen gallischen Soldaten den Römern ergeben.
Nach der Besichtigung der Ausgrabungsfunde begeben wir uns in den Außenbereich zu den Wallanlagen Cäsars bei der Einkesselung und Belagerung von Vercingetorix Truppen.
Von hier aus fahren wir auf den Hügel oberhalb des Ortes, wo nach der Zerschlagung des gallischen Heeres die Römer ihrerseits für mehrere Jahrhunderte eine Siedlung errichtet haben.

Die civile Basilika diente der Kurie, dem damaligen Stadtrat und war ein Gerichts- und Versammlungsort.
Auf dem nicht weit entfernten Plateau der Erhebung steht Vercingetorix.
Bevor wir zu unserem nächsten Stopp nach Flavigny-sur-Ozerain fahren können, müssen wir noch den Weg durch die schmalen Gassen von Alise-Sainte-Reine finden. Das ist gar nicht so einfach.
Flavigny-sur-Ozerain ist nicht weit entfernt. Kurz vor den alten Stadtmauern finden wir einen ruhigen und kostenlosen Parkplatz wo wir übernachten können.
Aber was zieht uns nach Flavigny-sur-Ozerain, es ist die Herstellung der wunderbaren kleinen weißen, runden Bonbons mit einer Zuckerschicht um den Anissamen in der Mitte, die wir so lieben. Benediktiner Mönche haben diese im 9. Jhdt. erstmals heraus gebracht.
Der Beginn dieser Erfolgsgeschichte liegt aber bereits im Jahre 52 v. Chr.. Julius Cäsar bringt zu den kriegerischen Auseinandersetzungen mit den Galliern grüne Aniskörner mit, um seine Soldaten bei Verdauungsstörungen zu behandeln. Während der französischen Revolution fliehen die Mönche. Einige Bewohner von Flavigny produzieren die Anisbonbons weiter. Nach dem Unternehmenskauf durch die Familie Galimard Ende 1896, übernahm 1923 Jean Troubat die Anisfabrik, dessen Erben auch heute noch das Unternehmen in Familienbesitz leiten.
Für eine Besichtigung der heutigen Werkstätte sind wir zu spät. So machen wir noch einen kleinen Spaziergang durch den Ort.
Hier ist es wunderschön und ich kann in Ruhe Fotos machen, weil es im Ort „totale tote Hose“ ist. Offene Bäckereien und Lokale sind Fehlanzeige.
Tagesstrecke: 163 km
Freitag, 11.04.2025
Wir haben natürlich sehr ruhig geschlafen. Und da das Museum „Les Anis de Flavigny“ ab 10.00 Uhr offen hat, können wir uns dort ausführlich umsehen.
Lena hat es sich schon mal gemütlich gemacht. Wir sind nämlich erst bei der Führung um 11.20 Uhr dran.
So, die Gruppe vor uns ist bereits beim Erinnerungsfoto. Gleich können wir rein.
Neben dem Anissamen ist der Zucker für die Ummantelung der wesentlichste Bestandteil.
Durch Verwirbelungen werden Anissamen und Zucker so lange verarbeitet, bis die Pastillen genau die richtige Größe erreicht haben.
Dort geht es in das mittlerweile vollautomatisierte Allerheiligste der Produktion. Nun darf nicht mehr fotografiert werden.
Wir sind wieder in den Verkaufsräumen und das Fotografierverbot ist aufgehoben. Auf dem folgenden Bild sieht man die unterschiedlichen Stufen der Verarbeitung.
Da es inzwischen Pastillen mit den unterschiedlichsten Aromen gibt, kann ich meine Nase mit allerlei Düften versorgen.
Als letztes passieren wir einige alte Räumlichkeiten, in denen sich jetzt die Verpackungsstation befindet.
Es ist so schön draußen, dass wir nochmals einen Rundgang durch Flavigny machen. Vielleicht finden wir ja heute hier ein offenes Lokal.
Ach schau mal an, das Restaurant „La Grange“ hat geöffnet.
Lena isst eine Quiche und einen Salat, …
…, und ich einen Hackfleischklos mit Kartoffeln, Linsen, Bohnen und Möhren (total gesund).
2001 wurde in Flavigny acht Wochen lang an dem Film „Chocolat“ mit Johnny Depp und Juliette Binoche gedreht. Dass der Film dann auch noch fünf Oskarnominierungen brachte, hat den Bekanntheitsgrad des 400-Einwohner-Dorfes enorm erhöht.
Und weiter geht es. Kleine Sträßchen bringen uns nach einiger Zeit auf die D994 und über Autun und Digoin nach Molinet zu dem kostenlosen Wohnmobil-Stellplatz mit V+E. Dieser Platz ist auch schon wieder voll belegt. So stellen wir uns ein paar Meter weiter auf ein Wiesenstück und genießen die abendliche Sonne und den Blick auf den Canal de Roanne.
Tagesstrecke: 155 km
Samstag, 12.04.2025
Heute ist nach den zwei Besichtigungstagen wieder ein Fahrtag angesetzt. Der Anfang ist nicht so glücklich, da die Entsorgung der Toilette am Stellplatz nicht funktioniert. Dies können wir aber am Stellplatz in Digoin erledigen.
Nun geht es aber los und über Vichy in Richtung Clermont-Ferrand. Kurz bevor wir dort auf die kostenlose Autobahn N75 fahren, nutzen wir einen kleinen Rastplatz für einen Imbiss mit Crevetten, Mayonnaise und Baguette.
Nachdem wir uns durch die Außenbezirke von Clermont-Ferrand gequält haben, kommen wir endlich auf die N75. Es ist sonnig, wir passieren eine herrliche Landschaft in der Auvergne und es ist wenig Betrieb. Was nur stört, ist der böige Seitenwind.
In Millau gibt es dann noch eine abenteuerliche Anfahrt auf den Wohnmobil-Stellplatz mit V+E von Camping-Car-Park (Gebühr 15,67 inkl. Strom). Er ist schon fast voll, aber wir finden einen Platz für unser Wohnmobil. Nach uns herrscht regelrechter Hochbetrieb, aber nur noch erfolglos.
Es ist Spätnachmittag oder schon früher Abend (?) und durchgehend bewölkt. Wir wollen uns aber noch nicht in unser Wohnmobil verkriechen, dafür ist die Aussicht nicht so erquickend. Also machen wir uns auf einen Rundgang durch die Gemeinde. Millau liegt lang ausgestreckt an dem Fluß Tarn.
Unser erster Eindrück hat etwas von „Hinterhof-Romantik“ mit künstlerischem Flair.
Nachdem wir aber den Bd. Richard bzw. Bd. Saint-Antoine überschritten haben, bewegen wir uns durch die Gassen der Altstadt.
Bei den kühleren Temperaturen heizt eine Band den Gästen einer Bar etwas ein.
Nach einiger Suche finden wir eine kleine Pizzeria, die uns zusagt. Unser aufkommender Hunger kann mit sehr guten Pizzen gestillt werden. Es hätte aber auch ruhig noch eine weitere Person mitessen können.
Und wieder einmal ist es Samstagabend in einer Kleinstadt – Leere, Stille. An den Werktagen kann es hier ganz anders aussehen.
Wir sind doch ein wenig zu dünn angezogen gewesen, und sind nun etwas durchgefroren. Da ist es genau das Richtige, sich bei Heizungswärme in eine Ecke zu kuscheln.
Tagesstrecke: 365 km
Sonntag, 13.04.2025
Heute Morgen ist das Wetter gleichbleibend bewölkt, und ich bein auf der Suche nach einer offenen Boulangerie.
Während meiner Abwesenheit hat Lena mit dem Einsortieren ihrer Wochenration an Tabletten angefangen.
Dann finde ich diese Zusammenstellung schon besser.
Vor der Abfahrt wird noch schnell ver- und entsorgt. Mittlerweile hat es angefangen zu regnen.
Für die Weiterfahrt können wir jetzt doch auf dem kürzesten Weg über den Tarn und in Richtung Viaduc fahren. Beim Carrefour tanken wir noch einmal voll, damit wir beruhigt hinter dem Viaduc auf die Autobahn fahren können.
Etwa drei Stunden später erreichen wir kurz vor 16.00 Uhr den Stellplatz in Albi. Hier sieht man wenigstens zwischen den grauen Wolken wieder ein paar blaue Flecken.













































































































