Frankreich – Der Weg und die Atlantikküste im Spätsommer 2024

Text: Hans-Werner                                                                                                                     Fotos: Hans-Werner und Lena

 

Wir haben schon gar nicht mehr an unseren Urlaub und den verlängerten Sommer im Wohnmobil geglaubt. Unser geliebtes zweites Zuhause stand unendlich lange in der Werkstatt, da man dort bis zur Verzweiflung nach dem gestörten Massekabel gesucht hat, welches während der Fahrt den Kühlwasser-Temperaturanzieger bis in den roten Bereich führte. Da sich der Fehler nur während der Fahrt zeigte, bedeutete es, Massekabel entrosten bzw. ersetzen und testen. Bei Misserfolg, nächstes Massekabel ersetzen und testen. Der FIAT Ducato hat lt. Werkstatt und Schaltplan 40 Massekabel. Bei dem Zeitaufwand waren wir natürlich nicht immer die erste Wahl, denn die Werkstatt soll ja auch Einnahmen bringen. Drei Tage vor dem geplanten Urlaub übergibt mir der Chef das Wohnmobil. So nebenbei ist auch ein gebrauchter Tacho eingesetzt worden. Der war aber nicht der Fehlerteufel und fiel in der Berechnung raus. Es wurde auch nicht der ganze Aufwand berechnet. Deshalb ein riesengroßes Dankeschön an die Werkstatt.

Nun aber zu unserem Urlaub. So manche könnten sagen, „Schon wieder Frankreich!“. Wir sagen, ja, schon wieder Frankreich und wieder die Atlantikküste. Doch gerade der Weg an den Atlantik soll uns diesmal links und rechts der eigentlich üblichen Route, Landstraßen/Nationalstraßen/mautfreie Autobahnen, führen und uns neue Eindrücke bringen. Dazu genießen wir die kulinarischen Annehmlichkeiten, die aus dem Atlantik an Land gebracht werden, aber auch auf dem festen Boden Frankreichs heranwachsen.

Bei unserer Reise vom 24.08. bis zum 23.09.2024 haben wir 3.029 km zurückgelegt. Am Atlantik haben wir uns in dem Bereich von der Ile d’Oleron bis zum Becken von Arcachon aufgehalten. Übernachtet haben wir auf Wohnmobil-Stellplätzen und Bereichen, wo wir niemanden gestört haben.

 

Samstag, 24.08.2024

Nach der belastenden Anspannung, ob es überhaupt mit unserem Urlaub klappt, können wir nun total gelöst die letzten Dinge ins Wohnmobil packen, denn unsere heutige Etappe führt uns nur in einen Ortsteil Limburgs. Dort wird der 70. Geburtstag einer Freundin von uns gefeiert. Zur Übernachtung nutzen wir einen uns bekannten ruhigen Parkplatz.

Tagesstrecke: 8 km

 

Sonntag, 25.08.2024

Da wir einige Utensilien für das von den Gästen gestaltete Büfett dabei haben, fahren wir vor dem großen Start noch einmal Nachhause und frühstücken auch dort.

Auf der gemütlichen Weiterfahrt auf der A3 und A48 in Richtung Luxemburg stören uns heute keine Schlangen von LKWs. An der Raststätte „Wasserbillig“ tanken wir unser Wohnmobil bei 1,41 EUR/l Diesel bis oben hin voll. Diesmal ersparen wir uns auch die Currywurst mit Pommes im Rasthaus und essen stattdessen mitgenommene Schnitzel mit Kartoffel- und Rote Betesalat.

Und weiter geht es auch in Frankreich auf der kostenfreien Autobahn. Heute wollen wir bis nach Nancy auf den Wohnmobil-Stellpatz am „Port de Plaisance“ mit V+E (Gebühr EUR 19,42), mitten in der Stadt, kommen.  Das heißt, wir versuchen es (bei 15 Stellplätzen ?), und erhalten tatsächlich nach einer Ehrenrunde, da wir die Einfahrt zu dem Stellplatz verpasst haben,  noch den letzten Stellplatz für unser Wohnmobil.

Nach einer kurzen Entspannung spazieren wir in das Zentrum und genießen die Straßenzüge rund um den Place Stanislas mit den ganzen Prachtbauten. Den entsprechenden Stadtplan erhalten wir in der Captainerie mit zusätzlichen wertvollen Hinweisen des dortigen Bediensteten.

Nancy war historisch gesehen die Hauptstadt Lothringens. Um 1050 erbaute Graf Gerhard, Herzog von Lothringen, im Talkessel der Mosel eine Burg (Nanciacum), in deren Umfeld sich eine Siedlung bis zur heutigen Großstadt Nancy entwickelte. Statt der Burg beheimatete später das Palais des Ducs de Lorraine die Herrschaften.

Place Stanislas

Amphitrite-Brunnen am Place Stanislas

von links: Opéra national de Lorraine, Grand Hotel de la Reine und Hotel de Ville am Place Stanislas

Palais du Gouvernement

Palais des Ducs de Lorraine

Porte de la Craffe

Rückseite des Palais des Ducs

Place de la Carière – ehemaliger Turnierplatz

Arc Héré – 1757 erbauter Triumphbogen zu Ehren von Ludwig XV. am Übergang vom Place de la Carrière zum Place Stanislas

Im Parc de la Pépinière, der sich direkt an den Place Stanislas anschließt, läßt es sich wunderbar von der ganzen Hektik einer Großstadt abschalten.

Eine leichte Musik führt uns zu einer Tanzfläche, auf der sich einige Tanzpaare beim Tanztee schwungvoll bewegten.

Außerdem haben wir Glück, denn heute Abend gibt es um 22.00 Uhr auf dem Place Stanislas ein großes „Son et Lumière“. Diese Bildershows an den Hauswänden mit begleitender Musik sind einfach gigantisch.

Total zufrieden und müde zieht es uns nun zurück zu unserem Wohnmobil.

Tagesstrecke: 338 km

 

Montag, 26.08.2024

Trotz der innerstädtischen Lage des Stellplatzes haben wir sehr gut und ruhig geschlafen. Vor der heutigen Etappe wird unser Navi für die nächsten Wochen auf „mit Autobahnen, ohne Mautstrecken“ eingestellt. Somit können wir bis zur Abfahrt Toul noch ein Stück die Autobahn nutzen, bevor wir auf der N4 und der D960 den Lac d’Orient umfahren.

Kurz hinter Troyes verlassen wir die D660 für wenige Kilometer und fahren auf unseren nächsten Übernachtungsplatz. Es ist die Domaine du Moulin d’Eguebaude in Estissac, eine historische Mühle mit Fischzucht (Forellen und Lachse) und ein Angebot von France Passion. Bei meinem persönlichen Dankeschön für die Einladung zur Übernachtungsmöglichkeit, erklärt mir die Dame des Hauses, dass wir gerne hier stehen bleiben und uns alles anschauen können. Wir dürfen nur keine laute Musik machen. Heute ist dort Ruhetag und der Shop ist geschlossen. Das Verbot zur lauten Musik gilt aber auch an den anderen Tagen.

Bei der Hitze stehen wir unter Bäumen mit der Aussicht auf die Mühle, und neben uns sind die Fischteiche und ein Bachlauf mit verwunschenen Ecken durch den Bewuchs. Es ist ein Traum.

Tagesstrecke: 215 km

 

Dienstag, 27.08.2024

Nach dem Frühstück schauen wir uns das Anwesen etwas näher an. In der letzten Stunde sind einige Kinder mit ihren Eltern bzw. Großeltern gekommen. Und bei unserer Besichtigungstour sehen wir, dass die Kinder von der „Dame des Hauses“ den Umgang mit Angelrouten und die unterschiedlichen Möglichkeiten des Angelns beigebracht bekommen. Anschließend werden die geangelten Forellen gewogen und können mit Nachhause genommen werden.

Wir besuchen dann doch lieber den Shop und kaufen uns ein paar Leckereien.

Bei der Weiterfahrt nutzen wir kurz hinter Sens, in dem kleinen Ort Gron, die V+E des kostenlosen Stellplatzes zur Ver- und Entsorgung. Nebenbei bemerkt ist es ein sehr schön angelegter Stellplatz an einem Wanderweg.

Uns zieht es aber weiter. In Montargis, einem der „100 Plus Beaux Détours“-Orte parken wir auf einem Parkplatz in der Rue du Port, nicht weit entfernt vom Flusslauf des Loing. Draußen ist es wieder sehr heiß und wir machen uns erst etwas im Wohnmobil zu essen.

Trotz der Hitze wollen wir uns ja die Sehenswürdigkeiten von Montargis anschauen. Also quälen wir uns auf der anderen Flussseite den Berg zur Burg Montargis (12. Jhdt.)  hinauf.

Dabei durchqueren wir noch den Wein- und Obstgarten, der zur Burg, die später in ein Schloß umgebaut wurde, gehört.

Viele Gebäudeteile sind nun privatisiert und gehören zu einer privaten Schule. Ein kleinerer Teil des Chateau Royal kann besichtigt werden. Für eine Führung haben wir aber momentan keine Lust.

Wir streifen stattdessen noch ein wenig durch die Altstadt.

ehem. Palais Durcy, heute Musée Girodet

links steht noch eine Wand der Schlossruine Lorris

Die Factorie Mazet lockt uns mit einem alten Eiswagen vor der Tür. Eine Boule de glace kostet EUR 3,90. Es schmeckt aber auch sehr lecker.

Église Sainte-Madeleine de Montargis aus dem 12. Jhdt.

Nach unserer Auffassung haben wir genug von Montargis gesehen, und gehen zurück zum Wohnmobil. Von hier aus ist es nicht mehr weit bis zu unserem heutigen Übernachtungsplatz in St. Benoit sur Loire. Dieser Ort liegt auch wieder etwas abseits der Hauptstraßen in einem Bogen der Loire östlich von Orleans und ist bekannt durch seine Abtei, einem Benediktinerkloster aus dem 7. Jhdt.. Die verbliebenen 40 Mönche bevorzugen zwar bis heute den ursprünglichen Ortsnamen Fleury. Doch seit die Reliquien des Hl. Benedikt von Nursia von Italien hierher gebracht worden sind, haben die Einwohner den Ortsnamen zu Ehren des Hl. Benedikt geändert.

Wir finden unweit des Klosters, am Rande von St. Benoit sur Loire, einen Platz zum Übernachten,…

… und starten schon mal einen kleinen Spaziergang in den Ort.

Die Klosterkirche ist wegen Umbauarbeiten tagsüber geschlossen. Im Kirchenaushang ist für heute Abend aber um 21 Uhr die „Vigil“ angesetzt. Da kommen die Mönche zu ihren letzten Gebeten des Tages zusammen, die in Form von gregorianischen Chorälen dargebracht werden.

So gehen wir später wieder zur Klosterkirche und besuchen den Gottesdienst. So erhalten wir wenigstens einen Gesamteindruck, auch wenn wir nicht alles in der Kirche erkunden können.

Tagesstrecke: 157 km

 

Mittwoch, 28.08.2024

Die Nacht im Schatten des Klosters war sehr ruhig und die Sonne lacht noch immer vom Himmel. Unser Übernachtungsplatz liegt am sogenannten Hafen des Klosters. Doch was vielleicht früher wichtig war, ist heute nur noch ein kleiner Kanal, der eventuell zur Loire führt. So genau haben wir es nicht erkundet.

Unser nächster Stopp kommt bereits nach 8 km. Wir haben den kostenlosen Wohnmobil-Stellplatz mit V+E von Sully-sur-Loire erreicht. Der Stellplatz ist ein Traum: direkt an der Loire und 800 m vom Ort entfernt.

Die Mittagszeit naht und uns zieht es zu irgend einem netten Restaurant. Aufgrund der Hitze nehmen wir den Fußweg durch den Schlosspark. An einigen Bäumen hängen Hinweisschilder mit Warnungen vor Vipern ???

Auf das wunderschön da liegende Wasserschloss werfen wir nur einen kurzen Blick.

In der Rue du Grand Sully werden wir fündig. Das „La Navigue“ hat an der Straße eine kleine Terrasse und eine ansprechende Auswahl von Hauptgerichten und Desserts. Das Essen ist gut und die Bedienung sehr freundlich.

Pavé de Rumpsteak

Cuisse de Poulet basquaise

Café Gourmand

Wir machen noch einen ganz kleinen Rundgang durch Sully und dann geht es aber auch schon zurück zu unserem Wohnmobil, wo wir genüßlich faulenzen.

Tagesstrecke: 8 km

 

Donnerstag, 29.08.2024

Wir haben gestern nur in einer der hinteren Reihen des Stellplatzes einen Platz für uns gefunden. Heute Morgen wechseln wir in die erste Reihe.

Nun ist es an der Zeit, die Schlossbesichtigung zu machen, denn es wird immer heißer. An der Kasse werden wir vor einigen Stufen auf der Besichtigung gewarnt. Es sind 235!

Die einstige Verteidigungsanlage aus dem 14. Jhdt. wurde ab 1602 von Maximilien de Béthune zu einem Schloss umgebaut.

                

Nach der Besichtigung suchen wir im Ort noch ein Fischgeschäft, was wir auch finden. Die Auslagen machen uns schon richtig Hunger. Wir versorgen uns mit Crevetten und Boulots, die es dann als Vorspeise gibt. Gegen den großen Hunger machen wir uns Spaghetti Bolognese.

                   

Tagesstrecke: 0 km

 

Freitag, 30.08.2024

Nach zwei Nächten in Sully-sur-Loire trennen wir uns von dem schönen Stellplatz. Unser nächstes Ziel ist Vendôme an dem kleinen Namensvetter der Loire, dem Loir. Der angestrebte Übernachtungsplatz ist nicht das Richtige.

So machen wir wenigstens noch einen Gang durch einen kleinen Teil der Altstadt.

ehemalige Benediktiner-Abtei

Cathedrale Saint-Trinité

Porte Saint-Georges

Chateau de Vendôme

Wir beschließen, für die Übernachtung jetzt bis nach Montoire-sur-le-Loir zu fahren. Dort habe ich im Internet einen Parkplatz für Wohnmobile direkt an dem Loir ausgemacht. In der Realität sieht er aber eher wie ein privater Garten aus, obwohl dort mehrere Wohnmobile stehen. Zudem steht alles unter Wasser. So wechseln wir auf den kostenlosen Stellplatz mit V+E (z. Zt. ist nur die Entsorgung möglich)  am historischen Bahnhof. Zum Übernachten ist das alles okay. Ansonsten ist Montoire eher unscheinbar. Von dem heimeligen Loir-Tal ist nicht viel zu sehen.

Tagesstrecke: 145 km

 

Samstag, 31.08.2024

Das Wetter hat sich geändert. Es schüttet. Wir warten etwas, dann geht es nach einem Einkauf beim LIDL weiter durch das Loir-Tal. Kurz hinter Montoire durchfahren wir Troo, um zu der dortigen Ver- und Entsorgung zu gelangen. Das Übernachten ist dort ausdrücklich verboten. Wir nutzen aber die Gelegenheit und wenden, um uns im Ort einen Parkplatz zu suchen, denn hier gibt es wirklich was zu sehen.

Das besondere an Troo sind die Höhlenwohnungen in den Erhebungen aus Kalktuff, die seit den Normannenüberfällen im 9. Jhdt. immer mehr ausgebaut wurden. Zwischen dem 11. und 12. Jhdt. hatte Troo seine größte Bedeutung und 4.500 Einwohner. Heute sind es noch ca. 300 Einwohner.

ehem. Maladrerie Sainte-Catherine aus dem12. Jhdt.

ein Bücherschrank aus einem ehem. Kühlschrank

Wir wollen wieder an die Loire und zwar nach Turquant, in der Nähe von Saumur.

Wir wollen Kilometer sparen und nutzen die Loire-Brücke, für die wir eigentlich zu breit sind. Es wurde auch mal kritisch und wir mussten aufgrund des Gegenverkehrs ganz langsam fahren.

Hier zieht es uns immer wieder hin. Dabei ist der Ort nichts besonderes. Er liegt an der Loire, hat auch Höhlenwohnungen an einem schönen Rundwanderweg, eine kleine Bar, die auch ein Supermarkt ist, und einen kostenlosen Stellplatz mit V+E. Uns zieht es aber auf den naturbelassenen  Ausweichplatz, etwa 200 m weiter. Hier fühlen wir uns wohl.

Es ist an der Loire wieder schön geworden, sodaß wir unsere gewohnte Rundtour machen können.

Dieser Aufstieg ist immer wieder hart. Er geht nämlich oben an der Biegung noch weiter.

Was haben wir hier schon wunderbare Feigen geerntet. Diesmal sind sie noch nicht reif.

Tagesstrecke:  116 km

 

Sonntag, 01.09.2024

Unser allmorgendliches Ritual nach dem Frühstück ist eine Runde Sudoku als Denksport.

Heute fahren wir leicht südöstlich und wollen in Angles-sur-l’Anglin übernachten, einem der schönsten Dörfer Frankreichs. Unterwegs sehen wir zur Mittagszeit an einem Kreisel in der Nähe von Châtellerault einen Royal Wok. Wir drehen noch eine Runde im Kreisel und schon stehen wir auf dem Parkplatz.

Der Royal Wok hat ein Sonntags-Büfett und es ist wirklich ein Traum – welch eine Auswahl.

Hier lohnt sich wirklich zuzugreifen.

Und zum Abschluss noch einen kleinen Nachtisch.

Leider muss ich noch ein paar Kilometer fahren. Der Mittagsschlaf nach einem solchen Essen kommt erst später dran.

Um zu dem kostenlosen Parkplatz für Wohnmobile zu gelangen, durchquere ich auf einer engen Straße das gesamte Dorf. Dann geht es links hoch und schon steht am Straßenrand ein großer Wegweiser zu den Plätzen für Wohnmobile.

Es ist schon ein Wohnmobil da.  Auch wenn einige PKW-Fahrer scheinbar Piktogramme nicht zuordnen können, habe ich noch genug Platz, um mir ein ebenes Fleckchen zu suchen.

Nach einer kleinen Erholungspause begeben wir uns auf einen Erkundungsspaziergang durch Angles-sur-l’Anglin. In direkter Nachbarschaft befindet sich das Museum „Roc-aux-Sorciers“, dem wir leider keine Beachtung schenken. Denn im Nachhinein erfahren wir, dass dort Nachbildungen von Wandmalereien weiblicher Körper aus dem Zeitalter des Magdalénien, etwa 14.000 Jahre vor unserer Zeitrechnung, zu sehen sind. Diese Wandmalereien und zahlreiche andere Funde belegen die frühe Besiedlung des Cro-Magnon-Menschen am Fluß unterhalb des heutigen Angles. Schade!

Wir beschäftigen uns nun mit der Zeit danach. Der Ortsname „Angles“ bezieht sich auf den Germanenstamm der „Angeln“, die sich zum großen Teil im 5. Jhdt. vom Festland auf die heutigen britischen Inseln verzogen. König Karl der Große, noch kein Kaiser, siedelte später einen kleinen zurückgebliebenen Bestand der Angeln an den Ufern des Flusses an.

Schon die ersten Eindrücke von Angles lösen in uns Begeisterung aus. Saubere Straßen ziehen sich durch den Ort. Die Häuser, ob leer oder bewohnt, bilden eine Einheit. Von der Blütezeit des Handels der Stadt im 16. und 17. Jhdt. ist zwar nichts mehr zu sehen, doch auch die heutigen ca. 360 Einwohner und die angelockten Touristen halten das Dorf am Leben.

Jeder Schritt in den Gassen gibt uns neue wunderschöne Eindrücke.

Jeder Bücherschrank hat eine ungeheure Anziehungskraft auf mich. und es ist das reinste El Dorado. Was ich dort alles finde.

Auch die katholische Kirche ist noch sehr präsent.

Wieder draußen in der Welt zeigt sich die Vergänglichkeit und der Wandel.

Von dem Aussichtspunkt haben wir einen schönen Blick über den Fluss auf den Ortsteil Saint Croix mit seiner ehemaligen Abteikirche der Augustiner-Chorherren aus dem 13. Jhdt..

Für den Rückweg nehmen wir eine Gasse, die uns zu einem kleinen Lokal mit Terrasse in der Nähe der Kirche führt.

Außerdem haben wir von der Terrasse aus eine herrliche Aussicht auf die Ruinen einer Festung, die im 12. Jhdt. von den Bischöfen von Poitiers in Auftrag gegeben wurde. Doch der Hundertjährige Krieg und die folgenden Religionskriege führten im 15. Jhdt. zur Aufgabe der Burg.

Während wir so gemütlich mit unserem Aperitif auf der überdachten Terrasse sitzen, zieht schlechtes Wetter auf. Zahlreiche Touristen suchen schnell noch Schutz vor dem Regen.

So schnell wie er gekommen, so ist der Regen auch wieder weg, und bei der Ankunft auf unserem Übernachtungsplatz haben sich die Wohnmobile vermehrt.

Tagesstrecke: 110 km

 

Montag, 02.09.2024

Der neue Tag zeigt sich von seiner besten Seite, und die Sonne strahlt bereits Wärme übers Land.

Bei der Weiterfahrt kommen wir in das Tal des Gartempe nach Saint Savin. Der Ortsname kommt von dem Namen eines Bischofs aus dem 3. Jhdt. (Savin bzw. Sabinian). Er war der erste Bischof von Sens. Das beherrschende Gebäude des Ortes ist die Abtei Saint-Savin-sur-Gartempe, die 1983 als UNESCO-Weltkulturerbe ausgezeichnet wurde. Hervorzuheben sind besonders die Fresken in der Kirche.

Nach der ausgiebigen Betrachtung der Fresken in der Abteikirche  haben wir uns ein genau so vorzügliches Mittagsmahl verdient. Gegenüber der Kirche, auf der anderen Seite des Parkplatzes, befindet sich das „Le St Savin“, wie sollte es auch anders heißen. Inhaber des Restaurants ist ein Holländer, wobei er mir klar zu machen versucht, dass es nicht Holland sondern Niederlande heißt. Aufgrund meiner Erfahrung bezeichnen sich die Bewohner aber als Holländer. Wie heißt es bei Asterix und Obelix: „Die spinnen die …!“

Das Tagesmenü hat eine umfangreiche Auswahl und schmeckt uns sehr gut.

Vorspeise:

Jambon de pays avec melon

Terrine de saumon fumé

Hauptspeise:

Tajine paesan d’agneau avec couscous et légumes

Dessert:

Tarte citron meringue

Die Brücke über die Gartempe war sehr wichtig für den früheren Handelsweg zwischen Poitiers und Bourges.

Brücke über den Gartempe

Für den heutigen Übernachtungsplatz bieten sich uns mehrere Möglichkeiten an. Die eine Möglichkeit ist das kleine an der Vienne liegende Städtchen Chauvigny, oder eine Bisonfarm in Valdivienne.

In Chauvigny haben es die Bischöfe von Poitiers im 10. und 11. Jhdt. mit ihrer Bautätigkeit regelrecht „auf die Spitze“ getrieben. Fünf Burgen und eine Kirche wurden auf einen Bergrücken oberhalb der Vienne gepackt, um die sich dann die Edelleute und Händler mit ihren Wohnhäusern drängelten. Das Gesamtensemble bildet die Oberstadt oder „Cité médiévale“.

Im zweiten Versuch finden wir die Zufahrt zum kostenlosen Wohnmobil-Stellplatz mit WC, einem kleinen Parkplatz in der Rue Porte Chevreau. Die Gemeindearbeiter bringen gerade Schilder an, das der Platz am 05. September gesperrt ist. Das dauert ja noch.

Es ist kurz nach Halbvier, da bietet sich noch ein Rundgang durch die Oberstadt an. Was ich mir oft wünsche, geht heute in Erfüllung. Es sind keine Touristen auf den Fotos. Tatsächlich treffen wir kaum Menschen in den Straßen. Es ist wie ausgestorben.

Château de Gouzon

Eingang zum Château d’Harcourt

Château d’Harcourt

Das Château Baronnial, die Burg der Bischöfe, ist der größte Komplex. Hier wurden neue Gebäude auf den Überresten der alten Burgen gebaut. Die jetzigen Ruinen sind aber auch ein gutes Anschauungsobjekt für die Zerstörungen während des Hundertjährigen Krieges, in dem die ständigen Besitzwechsel der Stadt Verwüstungen und Plünderungen mit sich brachten.

Château des Évêques

Die Stiftskirche Saint-Pierre ist ein Meisterwerk der Romanik, auch durch ihre Skulpturen an den Kapitellen im Chorraum.

die Stiftskirche Saint-Pierre

Der Rundgang war sehenswert, aber noch eine Übernachtung in einer Stadt ohne pulsierendes Leben wollen wir nicht. Wir fahren weiter.

Nach wenigen Minuten erreichen wir unseren France Passion-Übernachtungsplatz – eine Bisonfarm. Auch dieser Platz ist gut besucht. Ein kleiner Verkaufsladen ist ebenfalls am Platz, wo ich mich bei dem Betreiber der Farm anmelden kann und noch eine Bisonsalami einkaufe.

Nach so vielen Besichtigungen machen wir einen Spaziergang in die Natur und gehen zu den Bisons auf ihren weitläufigen Weiden. Wir fühlen uns so richtig wie im Wilden Westen. Wir sehen zwei große Herden in auseinanderliegenden Weiden.

Am Abend vertreiben wir uns die Zeit mit Tripple-Domino.

Tagesstrecke: 50 km

 

Dienstag, 03.09.2024

Wir sind heute schon den elften Tag unterwegs und haben noch immer keine Welle des Atlantiks gesehen. Doch wie heißt es bei uns: „Der Weg ist das Ziel.“ Und wir haben auf unserem Weg schon sehr viel Anderes zu sehen bekommen.

Heute fahren wir über Niort bis kurz vor La Rochelle – nach Mauzé sur le Mignon, einer Gemeinde im Naturpark Marais Poitevin. Ich stelle mir eine Siedlung, von Kanälen umgeben, vor, so ähnlich wie im Spreewald.

Die Gemeinde, die wir durchfahren ist grau und schlicht. Wir kaufen schnell noch ein paar Kleinigkeiten im LIDL ein und fahren zum Stellplatz.

Der Wohnmobil-Stellplatz Camping Car Park mit V+E (Gebühr EUR 14,40 inkl. Strom) ist ein großer aufgegebener Campingplatz und liegt auf einer Insel. Das passt schon mal.

Da sonst nicht so viel los ist, koche ich heute im Wohnmobil. Als Vorspeise gibt es Baguette mit Leberpastete und Oliven, …

… und als Hauptgericht haben wir Farfalle mit frischen Tomaten, Sardellen, Kapern, Oliven und Basilikum.

Am Nachmittag faulenzen wir beim Wohnmobil, bevor wir uns gegen Abend zu einem Spaziergang aufrappeln. Wir gehen am Kanal entlang, ohne dass wir an weitere Verzweigungen kommen. Von den Marais sehen wir nichts. Trotz der nicht vorhandenen Marais-Erlebnisse, es ist ein Platz zum Erholen und Ausruhen, und dafür gut.

ehemaliger Hafen

Tagesstrecke: 134 km

 

Mittwoch, 04.09.2024

Ich fahre mit dem Fahrrad in den Ort und mache mich auf die Suche nach einem Bäcker. Am Place de la Mairie ist erhöhtes Verkehrsaufkommen und Parkplatz-Suchverkehr. Ursache des ganzen Treibens ist ein großer Wochenmarkt in den anliegenden Straßen. Jucheee!

Baguette und Croissants sind schnell besorgt, und heim geht es, um Lena die gute Botschaft zu bringen. Wir lieben französische Wochenmärkte. Draußen regnet es. Ich habe es gerade noch geschafft, trocken zum Wohnmobil zu kommen.

Nach dem Frühstück packen wir ein und suchen uns in den Parkanlagen am Place de la Marie einen Parkplatz.

Leider können wir ja nicht alles kaufen. Dafür fahren wir aber heute bis ans Meer. Unser Ziel ist der Wohnmobil-Stellplatz mit V+E von Camping Car Park (Gebühr EUR 14.44 inkl. Strom) in Fouras.

Das Wetter ist schön und es herrscht Hochbetrieb. Man merkt, wir sind am Meer, und das Leben pulsiert, auch wenn die Hauptferienzeit vorbei ist. Die Hauptsache ist, dass wir noch einen schönen Platz für unser Wohnmobil finden. Auch dieser Stellplatz ist ein ehemaliger Campingplatz, und aufgrund der Nebensaison sind Imbiss, Bar, Toilette und Dusche bereits geschlossen.

Nach einem Mittagessen und einer Ruhepause lockt „die Welt“ außerhalb des Platzes. Durch eine kleine Pforte in der Hecke gelangen wir direkt in die Bucht von Fouras.

Bei dem regelmäßigen Rauschen des Meeres macht sich sofort eine Ruhe breit. Hier kann ich stundenlang sitzen, auf das Meer schauen und dem Rauschen zuhören.

Wir wollen aber weiter, und uns etwas in Fouras umsehen. Die Carrelets (Fischerhütten) kommen im Kontrast des Gegenlichts besonders zur Geltung.

Auf unserem Weg zum Atlantik sind wir durch mittelalterliche Orte gekommen, wo das Grau der Häuser eine besondere Wirkung des Alters darstellte. Hier am Meer ist Weiß, die Farbe des Lichtes, prägendes Stilmittel für die Häuserfronten.

Dazwischen ist hin und wieder aber auch noch das Festungsgrau, wie hier beim Fort Vauban de Fouras (14. Jhdt.), zu sehen.

Es ist kurz vor 18.00 Uhr an einem ganz normalen Mittwoch, und es hängt ein Schleier der Ruhe über der Fußgängerzone rund um die Markthallen. Auch die Geschäfte haben schon geschlossen.

Nur die kleine Bar „Le Provencal“ hat noch auf, und wir bekommen genau das Richtige für eine solche Stimmung, nämlich zwei Pastis zum Übergang in den  Abend.

Auf dem Rückweg zu unserem Stellplatz kommen wir durch eine kleine Parkanlage und da sehen wir etwas, das fast wie ein zu groß geratenes Vogelhäuschen ausschaut.

Auf der anderen Seite haben wir dann den „Durchblick“ auf des Rätsels Lösung.

Den Abend lassen wir ganz langsam ausklingen.

Tagesstrecke: 64 km

 

Donnerstag, 05.09.2024

Ich fahre mit dem Fahrrad in den Ort um uns mit frischem Baguette und Croissants zu versorgen. Das klare Licht des Morgens verschafft mir ganz besondere Aussichten auf Fouras …

… bis hin zu der Brücke, die die Ile d’Oléron mit dem Festland verbindet.

Und wieder zieht es uns am späten Vormittag zu den Markthallen. Wir wollen mal schauen welches Angebot die Händler in Fouras für uns haben.

Das Wetter ist heute nicht so schön. Dunkle Wolken ziehen über das Land.

Aber in der offenen Markthalle geht für uns die Sonne auf.

Der Einkauf ist getätigt, und wir ziehen mit einem dicken Thunfischsteak, einer schönen Portion Coques und Paprika zum Wohnmobil zurück. Das dachten wir jedenfalls. Doch wir kommen mit den ersten Regentropfen nur bis zur Bar „Le Provencal“.

Wir sitzen trocken und doch an der frischen Luft bei Pastis und Café noir bzw. Café crème, und haben Zeit.

Irgendwann hört es auf zu regnen und wir gehen nun doch zum Wohnmobil. Es ist nach dem Regen etwas abgekühlt.

Im Wohnmobil beginnen wir mit den Vorbereitungen zu unserem Mittagessen. Lena befasst sich mit den Coques und den Bratkartoffeln. Ich bin zum Schluß für das kurze Anbraten des Thunfischsteaks zuständig.

Vorspeise: Coques mit einer Senfvinaigrette

Hauptspeise: Thunfischsteak mit Rosmarinkartoffeln und Paprika

Gegen Abend machen wir noch einen Spaziergang am Meer entlang in Richtung Charentemündung.

Ich liebe den Ausblick nach Westen mit seinen Sonnenuntergängen über dem Meer

ein Streifen Ile d’Oléron und das Fort Boyard im Meer

brennender Himmel über Fouras

Tagesstrecke: 0 km

 

Freitag, 06.09.2025

Heute ist ein Chill-Tag. Gegen Mittag spazieren wir ein letztes Mal in die Fußgängerzone von Fouras. Unser Ziel ist das Restaurant, das seinen Außenbereich unter der Überdachung der Markthalle hat. Die Moules frites sehen dort wirklich hervorragend aus.

Moules aux Curry

Zum Sonnenuntergang sitzen wir vor dem Stellplatz auf einer Bank am Strand, und genießen das langsame Ausklingen des Tages und das Schauspiel der Farben.

Tagesstrecke: 0 km

 

Samstag, 07.09.2025

So richtig wissen wir noch nicht, wie es heute weiter gehen soll. Zuerst fahren wir auf jeden Fall in den nördlichen Zipfel der Halbinsel von Fouras. Von dem dortigen Hafen fahren Fähren zur Ile-d’Aix. Um den Fährhafen gibt es verständlicherweise keine Parkplätze für Wohnmobile. So fahren wir wieder ein kleines Stück zurück auf einen Parkplatz von Fouras-le-Port, der auch zur Übernachtung für Wohnmobile vorgesehen ist (Gebühr EUR 8,30). Eine V+E ist nicht vorhanden. Die gibt es dafür in Fouras vor dem Stellplatz, auf dem wir bis letzte Nacht standen.

Nachdem wir unser Wohnmobil gut untergebracht haben, begeben wir uns auf den Fußmarsch in Richtung Hafen.

Plötzlich ziehen dunkle Wolken auf, die auch schnell näher kommen. Sofort fängt es mit steigender Intensität zu regnen an, als wir in die Nähe des Restaurants „Les Viviers de Nadège“ kommen.

Wir können uns gerade noch hinein retten, da kommt schon ein fürchterlicher Schutt herunter. Das muß doch ein Fingerzeig sein, den wir nicht übergehen dürfen.

Die Speisekarte sieht auch sehr verlockend aus.

Wir bestellen zum Einstieg einen halben Liter Rosé (Wer weiß wie lange es noch regnet.) und eine Assiette de la Mer. Als warmes Gericht nehmen wir eine Portion Sardines grillés mit gekochten Kartoffeln und Salat.

Draußen fängt es fürchterlich an zu blitzen und zu donnern. Die Regenbäche bahnen sich bereits einen Weg in den Vorraum des Restaurants. Es ist gut, das wir gerade hier gelandet sind.

Es regnet immer noch. Dann geht auch noch ein Eis (Cassis und Mente chocolat).

Nachdem es draußen ruhiger geworden ist, wagen wir uns wieder raus und setzen unseren Weg fort.

Je nach Blickrichtung haben wir sogar wieder blauen Himmel.

Hier vorne an der Landzunge reiht sich ein Austernzüchter am Anderen.

Beim Hafen angekommen zeigt uns der Fahrplan, das die Fährzeiten zur Ile-d’Aix aufgrund der Gezeiten für uns nicht passend sind. Naja, macht nichts. Sehen wir weiter, und gehen zurück zum Wohnmobil.

Was ist das?

Natürlich ein 24/24 Automat mit frischen Austern!

Der Entschluss ist gefasst. Wir bleiben zur Übernachtung hier. Gegen Abend unternehmen wir dann nochmals einen kleinen Spaziergang – diesmal zum Nordstrand.

Tagesstrecke: 6 km

 

Sonntag, 08.09.2024

Eigentlich ist es unüblich für uns, dass wir am Wochenende einen Ortswechsel vornehmen. Wenn ja, planen wir dann frühestens eine Ankunft am Sonntagnachmittag ein, um einen Platz der Heimfahrer zu ergattern.

Da das Wetter sich heute eher von seiner feuchten Seite zeigt, und wir sowieso nur auf die andere Seite der Charente nach Port-des-Barques wollen, versuchen wir unser Glück. Zuerst müssen wir aber zur Ver- und Entsorgung, da wir nicht wissen, was auf uns zukommt.

Blick von der kostenlosen Außenentsorgung zur Einfahrt des großen Stellplatzes in Fouras

Ich weiß nicht, ob das Wasser noch von dem gestrigen Regenschutt auf den Straßen steht, oder ob die Pfützen von heute Morgen sind, und wir in Fouras-le-Port nichts mitbekommen haben.

Wir müssen nun einen weiten Bogen über Rochefort fahren, damit wir die Charente überqueren können, um nach Port-des-Barques zu kommen. Dort gibt es für Freisteher zwei reservierte kostenlose Plätze für Wohnmobile auf dem Parkplatz bei den Austernständen, und noch ein paar kostenlose Plätze auf dem Parkplatz vor dem Camping-Platz. Darüberhinaus hat  Port-des-Barques aber noch einen Wohnmobil-Stellplatz mit V+E von Camping Car Park im hinteren Bereich des Ortes in der Nähe des Sportplatzes. Wir stellen uns auf einen freien Platz bei den Austernbuden.

Nur wenige Meter entfernt befindet sich ein Bäcker und ein Restaurant, welches wir natürlich ansteuern.

Die Wahl fällt auf Austern und Pizza.

Über der anderen Seite der Charente hängen dicke Wolken.

Auf der Wiese bei unserem Parkplatz sind viele Pesonen in Kleidern aus vergangenen Zeiten mit ihren Hunden gekommen und stellen sich und ihre Hunde vor. Genau bekommen wir es nicht mit, obwohl das Mikrofon reihum weiter gegeben wird. Irgendwie hat es etwas mit Auswanderung und Hunden zu tun.

Da wir sowieso nichts genaues heraus bekommen, ziehen wir weiter. Da sehen wir schon die Ile Madame. Sie ist der Grund, weshalb es uns immer mal wieder nach Port-des-Barques zieht. Bei Ebbe wird nämlich eine Furt freigelegt, über die man trockenen Fußes auf die Insel kommt.

Die Gezeiten sollte man aber genau im Auge behalten. Uns passt es heute nicht so, und außerdem ist das Wetter zu unbeständig. Gerade als wir die Pilgerstätte am Autel du Calvaire erreicht haben, die an der Landspitze bei der Furt liegt, erreicht uns eine Regenschauer. Wir stellen uns unter und warten ab.

Auf dem Gelände des Calvaire steht ein großer Feigenbaum. Wir geben der Verlockung nach und pflücken uns ein paar für einen kleinen Imbiss am Abend. Vielleich war das im Paradies gar kein Apfelbaum, sondern ein Feigenbaum.

Zum Glück sind die Wolken weiter gezogen.

Am Abend gibt es frische und saftige Feigen mit Blauschimmelkäse aus dem Omnia Backofen.

Im Augenblick genießen wir die Nähe des Meeres. Besichtigungen sind nicht mehr das Wichtigste. Deshalb fahren wir auch jetzt wieder die Orte an, die wir schon kennen, machen Spaziergänge und leben ganz in Ruhe.

Tagesstrecke: 33 km

 

Montag, 09.09.2024

Auf unserem Parkplatz werden wir am Morgen von der Anwesenheit eines fahrenden Friseur-Salons überrascht. Die Friseuse scheint eine feste Tour durch viele Ortschaften zu haben. Sie hat die Marktlücke erkannt, und ihr Salon ist gut frquentiert.

Uns zieht es weiter nach Brouage. Einem Festungsort mit langer Geschichte. Hier war die Salzkammer Frankreichs. Aus diesem Grund wurde zur Erleichterung des Handels vom damals herrschenden Seigneur der Gegend der Bau eines Ortes angeordnet, und zur Sicherheit stark befestigt. Die Straßen wurden wie ein Schachbrett angelegt.

Der Ort war umgeben von Salzbecken. Das dort erwirtschaftete Salz war aufgrund seiner Qualität berühmt. Im 16. Jhdt. wurden täglich bis zu 200 Schiffe aus dem Norden Europas mit dem wertvollen Gut beladen.

Wichtige Personen Frankreichs, wie Kardinal Richelieu und König Ludwig XIV., waren Gäste im Schutze der Mauern, die später u.a. auch noch von dem Festungsbaumeister des Sonnenkönigs weiter verstärkt wurden.

Von Brouage aus ist der berühmteste Bürger des Ortes, Samuel de Champlain, mit einem Schiff in den Norden Amerikas gestartet und gilt als Gründer der kanadischen Stadt Québec.

Bis ins 18. Jhdt. lag die Festung Brouage noch direkt am Meer. Aufgrund des sinkenden Wasserspiegels im Atlantik liegt die Festung nun 1 km landeinwärts. Nun bestimmen die Austernzüchter und die Touristen den Handel.

Wir fahren direkt auf den kostenlosen Park- und Übernachtungsstreifen für Wohnmobile außerhalb der Festung. Von hier aus können wir direkt in den befestigten Ort gehen.

Im „Le Voyageur“ kehren wir ein, lassen uns einen Tisch im Außenbereich geben und bestellen eine mittägliche Stärkung für uns.

Linseneintopf mit Fleisch von der Schweinshaxe

Fischsuppe

Café gourmand

Gut gesättigt zieht es uns erst einmal für ein Mittagsschläfchen ins Wohnmobil zurück. Am Spätnachmittag starten wir dann zu unserem Spaziergang durch die Straßen der Festung und schauen, ob alles noch da ist, wie wir es seit unserem letzen Besuch kennen.

In den Räumlichkeiten der jetzigen kleinen Lädchen an der Festungsmauer befanden sich früher die Stallungen der Garnisonspferde.

Von der Mauer hier oben hat man einen tollen Ausblick. Je nach Blickrichtung haben wir eine unterschiedliche Bewölkung. Es ist Wahnsinn.

Porte Royale

ehemalige Garnison

Bei der kath. Kirche St. Peter und St. Paul haben Schiffsbauer die Decke im Innenraum gebaut.

Auf manchen Fenstern wird die Geschichte der Auswanderer nach Nouvelle France bzw. L’Acadie im heutigen Kanada dargestellt.

ehem. Pulverhaus der Garnison

Die Austernzucht vor der Festung liegt in der strahlenden Sonne.

Tagesstrecke: 15 km

 

Dienstag, 10.09.2024

Heute ist es zum Glück windstill, denn wir wollen über die lange Brücke auf die Ile d’Oléron. Wenn es stürmt, kommt der Wind dermaßen eklig von der Seite, dass es wirklich ungemütlich wird. Bei unserem Wohnmobil, wo der Schwerpunkt höher liegt, driftet das Gefährt ganz unangenehm ab. Vor einigen Jahren haben wir schon einmal vor der Brücke in Bourcefranc-le-Chapus gewartet, bis der Sturm abgeebbt war.

Wir fahren nach Le Château-d’Oléron auf den etwas außerhalb des Ortes gelegenen großen Wohnmobil-Stellplatz mit V+E (Gebühr EUR 15,94 inkl. Strom).

Am Spätnachmittag unternehmen wir unseren obligatorischen Spaziergang in den Ort. Ein befestigter Pfad führt uns am Meer entlang bis zur kleinen Pforte in den Befestigungen von Le Château-d’Oléron. Schon seit dem 11. Jhdt. wurde die französische Küste gegen die Einfälle der Normannen und der englischen Könige gesichert. Wir haben in den letzten Tagen ja schon einige Befestigungen gesehen, und es sind noch viel mehr.

Besondere Anziehung bei uns haben immer wieder die bunten Fischerhäuser um die Festung von Le Chateau herum, die jetzt zum Teil von den Austern- und Muschelzüchtern, aber auch von Künstlern, genutzt werden.

Der Platz vor der Markthalle ist zu diesem Zeitpunkt verwaist. Aber auch sonst sind nicht viele Leute unterwegs.

Was folgt, ist ein gemütlicher Abend im Wohnmobil.

Tagesstrecke: 21 km

 

Mittwoch, 11.09.2024

Am Morgen besuche ich einen der Bäcker in Le Chateau-d’Oléron, und sehe schon einige Frauen mit vollbepackten Tüten von der Markthalle kommen. Nach dem Motto „Gemütlich sollte man den Tag beginnen“ lassen wir noch ein paar Stunden verstreichen, bevor wir uns auf den Weg machen.

Für uns ist es heute wichtiger noch einmal um die Mittagszeit die bunten Fischerhütten aufzusuchen. Dort gibt es nämlich neben den Künstlern, auch einige bewirtschaftete Imbissmöglichkeiten.

Besonders hat es uns die „La Cabane du sans souci“ angetan, die wir schon aus einem anderen Urlaub kennen. Hier kann man bei einer „Degustation“ ganz viele Zusammenstellungen von Austern und Muscheln probieren.

Wir haben uns für die Plateau „Sans Souci“ mit neun Austern und einem zusätzlichen Glas Muscadet entschieden. Dies ist unsere Vorspeise, denn danach geht es auf der anderen Straßenseite weiter.

Dies ist ein Imbiss mit den verschiedensten Muschelgerichten, also Moules frites mit unterschiedlichen Geschmacksrichtungen.

Es ist halt ein Imbiss, kein Porzelan aber sehr lecker. Und die Portionen sind so riesig. Wir denken an unsere soeben verzehrten Austern und fragen uns, wie wir das hier noch schaffen sollen.

2 Rosé und 2 Wasser

Lena hält das „Besteck“ hoch: unsere Finger und eine kleine Holzzange nach Art der Zuckerzangen, um die Muscheln aus den Schalen zu holen.

Als Abschluß genehmigen wir uns im Ort noch einen Grand Crème und einen Petit Café noir, und schleppen uns anschließend zum Wohnmobil.

Gegen Abend beschließen wir den Tag mit einem kleinen Spaziergang am Meer entlang, diesmal in die andere Richtung.

Tagesstrecke: 0 km

 

Donnerstag, 12.09.2024

Heute werden wir die Insel verlassen. Bevor das aber geschieht, müssen wir unbedingt noch zum Phare de Chassiron. Das ist Tradition. Hierfür fahren wir durch einige kleine Ortschaften bis zur nördlichsten Spitze der Insel. Tradition ist auch der Stau auf dieser Stecke. Heute geht es aber noch.

Da braucht es keine Beschreibung, die Bilder genügen. Dies ist auch so ein Stück Küste, wo ich stundenlang sitzen könnte.

Was seht ihr auf dem „Wimmelbild“?

Dies ist keine Einbahnstraße.

Und wieder geht es über die Brücke, nun aufs Festland. Wir haben es aber bald geschafft.

Über Marennes und La Tremblade fahren wir zu unserem nächsten Übernachtungsplatz bei La Palmyre. Der Wohnmobil-Stellplatz „Corsaire“ mit V+E von CampingCarPark (Gebühr EUR 15,32 inkl. Strom) liegt an der Bucht „Bonne Anse“ und mitten in einem schönen Waldstück. Der Küstenort besteht nur aus Ferienhäusern und Campingplätzen. In wenigen Wochen „fällt dann der Vorhang“.

Nach unserer Ankunft sorgen wir mit Bruscetta und Tagliatelle aglio e olio mit Gambas für unser Wohlergehen. Es ist schon kurz nach halb Drei.

Bei unserem Gang zum Meer erleben wir das Typische der Bonne Anse. Der Badestrand ist hier so flach, schon kurz nach Beginn der Ebbe ist kein Wasser mehr vorhanden. Für kleine Kinder ist dies die reinste Badewanne.

Tagesstecke: 84 km

 

Freitag, 13.09.2024

Unweit von La Palmyre kann man mit einer Fähre von Royan auf die Medoc-Halbinsel übersetzen. Dort wollen wir heute noch bis Montalivet-les-Bains kommen, denn morgen gibt es dort noch einen der größten Wochenmärkte der gesamten Region, kurz bevor es in die Winterpause geht.

Also verabschieden wir uns wieder von La Palmyre und fahren in Richtung Royan. Dabei machen wir noch einen kleinen Zwischenstopp mit Spaziergang an der Küste von Saint Palais sur Meer entlang. Die Eindrücke, die wir schon aus dem Auto haben, sind einfach zu schön.

In Royan wartet schon die Fähre, und nachdem wir EUR 60,00 bezahlt haben, dürfen wir auch an der Fahrt über die Gironde teilnehmen.

Auf dem Wohnmobil-Stellplatz „L’Océane“ mit V+E (Gebühr EUR 14,80) in Montalivet-les-Bains ist genügend Platz für uns. Im Gegensatz zu den anderen Plätzen von CampingCarPark hat dieser kein Strom-Angebot. Hier gibt es aber Sonne-satt von oben auf unsere Solarmodule.

Der Strand ist hier wirklich ein Traum. Zusammen mit dem Strand in Capbreton  gehört dieser zu meinen Lieblingsstränden an der südlichen Atlantikküste.

Dieses urwüchsige Naturerlebnis liegt direkt hinter unserem Stellplatz. Und vor einigen Jahren konnten wir hautnah miterleben, wie es hier gebrannt hat, und die riesigen Löschflugzeuge tief über uns flogen, um ihre Ladung zielgenau abzulassen.

Für die Zeit des Sonnenuntergangs haben wir einen Platz gefunden, wo wir das Schauspiel in vollen Zügen genießen können.

Tagesstrecke: 61 km

 

Samstag, 14.09.2024

Heute gehen wir natürlich auf den großen Markt. An den Ständen wird schon überall mit Rabatten geworben, denn es ist das letzte Markt-Wochenende für dieses Jahr in Montalivet-les-Bains, dem Badeort von Vendays-Montalivet im Landesinneren. Dann ist die Saison gänzlich vorbei.

Dabei liegt unser Hauptaugenmerk auf den Ständen mit den verschiedensten Mahlzeiten und Getränken. Nach einer gründlichen Gesamtaufnahme treffen wir unsere Entscheidung. Austern gibt es heute Mittag mal nicht.

Stattdessen holen wir uns eine baskische Apero-Zusammenstellung …

… und an einem anderen Stand bestellen wir Crevettes flambées (mit Pastis).

Ein Roséchen gehört auch dazu.

Als wir am Nachmittag zum Strand gehen, sehen wir, dass die Surfer irgendeine Meisterschaft austragen. An den dafür extra aufgebauten Strandbars ist Hochbetrieb und die Beschallung erfolgt mit der notwendigen Lautstärke.

Ein wesentlicher Programmpunkt des Tages ist natürlich wieder der abendliche Sonnenuntergang. Auch wenn die Musik über den Strand hallt und nebenan viel gefeiert wird, haben wir die versteckte Sitzbank für uns.

Tagesstrecke: 0 km

 

Sonntag, 15.09.2024

Der Morgen beginnt mit blauem Himmel, frischem Baguette und einem weichgekochten Ei. Sehr schön!

Wir lassen es uns danach nicht nehmen, nochmals den Markt aufzusuchen.

Dies ist nicht die griechische Botschaft in Montalivet-les-Bains, sondern nur ein griechischer Imbiss.

Es sind nicht mehr so viele Marktstände da wie gestern, aber Lebensmittel gehen immer.

Wir haben uns heute dann doch noch einmal für Austern entschieden.

Bei unseren Nachbarn wird in einer Gruppe schon länger getagt, und immer wieder Nachschub geholt.

Mein Gegenüber wollte dann auch noch fotografiert werden.

Beim Bäcker kaufen wir das letzte Stück Gateau Basque, und einen Stand weiter trinken wir noch ein Gläschen Wein.

Etwas später haben wir uns beim Wohnmobil ein kleines Mahl selbst zusammen gestellt.

Anchovis mit Oliven

gegrilltes Echines mit Bratkartoffeln

Gateau Basque

geteilter Gateau mit Füllung

Der Strand ist jetzt wie leer gefegt .

Zum Abschied von Montalivet schauen wir am Abend wieder an unserem Lieblingsplatz vorbei. Heute haben wir Besuch. Es wird ein Werbefilm gedreht und für das bunte Strandhemd des Sängers geworben. Uns stört es nicht, wir bekommen sogar schöne Musik zu hören.

Tagesstrecke: 0 km

 

Montag, 16.09.2024

Wir verlassen heute Montalivet-les-Bains und werden diesmal nicht in einen weiteren Küstenort am Meer fahren, sondern quer durch die Medoc-Halbinsel an das Ufer der Gironde, nach St.-Christoly-Medoc.

Unterwegs wartet so manche Überraschung auf uns. Hier wurde es richtig eng. Und das ist nicht der einzige Häusertransport gewesen.

Auf der Straße, die nun parallel zur Gironde nach St.-Christoly-Medoc führt, sehen wir nun viele Kanäle in Richtung  Gironde abzweigen. An einem Kanal machen wir Halt und kochen uns zu Mittag. Dabei bemerken wir, das Ebbe und Flut des Atlantiks sich bis hier hin auswirken.

Unser angesteuertes Weingut „Vignobles Peyruse – Chateau Tour Castillon et Moulin de Taffard – Medoc Cru“ liegt ein wenig außerhalb von Saint-Christoly-Medoc. Die Wegweiser von France Passion führen uns zu unserem Übernachtungsplatz.

Da die Herrin des Hauses der Vignobles Peyruse noch einmal weg muss, vereinbaren wir einen Termin für eine Weinprobe in einer halben Stunde.

Wir werden sogleich in den Weinkeller geführt, wo die vielen Fässer lagern.

Nachdem die Preisliste vorliegt, können wir uns Weine für die Probe aussuchen. Es wird spannend und sehr lecker. Wir werden darauf hingewiesen, dass die Rotweine sich erst noch entfalten und noch mehr als 10 Jahre liegen können. Ob wir das dem Wein gönnen können. Wir haben ja nicht so viel gekauft, und wir wollen ihn ja auch noch trinken können, in unserem Alter.

In diesen Kartons ist unser Einkauf versteckt. Auf dem Weg zum Wohnmobil werden die Flaschen ganz schön schwer. Ob das an dem „Preisgewicht“ liegt?

Wir haben heute wieder viel gesessen und wollen noch wenig herum laufen. Weinstöcke so weit das Auge reicht.

Wie wir aber bereits vorher erfahren haben, gibt es nicht nur die schönen Trauben. Die Medoc-Halbinsel leidet sehr unter dem Klimawandel und der Trockenheit. Mangelndes Wachstum und Krankheiten sind die Folge.

Der Blick auf die Silhouette von Saint-Christoly-Medoc verspricht ein kleines Dörfchen. Der Wert der Umgebung sind die Weinfelder und ihr Ertrag.

Das Dorf selbst und seine Häuser sind Nebensache.

Wir sehen auch Berge von alten und kranken Weinstöcken, die noch verbrannt werden.

Tagesstrecke: 38 km

 

Dienstag, 17.09.2024

Vielleicht schaffen wir es ja in diesem Urlaub, in eines der großen Weingüter zu kommen und eine Besichtigung mitzumachen – bei den Rothschild`s, Mouton oder Lafite, egal.

Vorher haben wir noch einen Zwischenstopp in Saint-Estèphe vorgesehen. Gegenüber vom Stellplatz an der Gironde, wo wir vor einigen Jahren schon einmal übernachtet haben, soll es ein gutbürgerliches Restaurant geben, was sich für einen Halt zum Mittagstisch anbietet.

Auf dem Weg dorthin führt uns der Weg durch ganz unterschiedliche Landschaften: Feuchtgebiete mit Kanälen, Alleen und Weinanbau.

Saint-Esthèphe lassen wir ausfallen. Auf dem Stellplatz hat sich eine Großfamilie der Gents de Voyage eingerichtet. Wir haben schon gute Erfahrungen mit ihnen gemacht, aber es muss nicht sein.

So fahren wir direkt nach Pauillac und stellen uns auf einen großen Parkplatz an der Flusspromenade. Die Gebäude spiegeln den Aufstieg der Weingüter im 20. Jhdt. wieder.

eine Dependance des Chateau Grand-Puy Ducasse

Uns interessiert um diese Zeit aber mehr das Restaurant-Angebot, und besonders das Restaurant „La Salamandre“.

Unser gewähltes Menü:

Gemüsesuppe mit Mozzarella und Kürbiskernen

Rindergeschnetzeltes in Thai-Marinade

Forellenfilet nach baskischer Art

Zitronentarte mit Baiser

Service und Essen waren sehr gut. Und nach einer kurzen Mittagsruhe machen wir uns wieder auf den Weg. Für heute lassen wir die Spitzenweingüter erst mal sein, und fahren lieber noch ein kleines Stück südlich an der Gironde entlang und schauen nach einem Stellplatz für die Nacht. Dabei  wird es auf der Landstraße ganz schon schmal.

Wir haben eigentlich einen anderen Stellplatz im Blick, doch bei der Ortsdurchfahrt von St. Julien-Beychevelle sehen wir das Straßenschild von der „Route du Port“, und landen auf einem wunderschönen Übernachtungsplatz direkt an der Gironde.

Der Ausblick ist ein Traum, auch wenn die Gironde aufgewühlt ist.

Nach einiger Zeit wird es draußen lauter. Ein Jet-Skifahrer dreht vor uns seine Pirouetten.

Als das Jet-Ski wieder verladen wird, ist der Bootseinlass noch trocken. Doch nach 1,5 Stunden sehen wir, dass der Wasserspiegel immer weiter ansteigt. Eine Polizeistreife ist mit dem Auto zu uns gekommen und beobachtet auch den Wasseranstieg der Gironde. Es wird laut dem Internet mit einer höheren Flut gerechnet. Doch nach einiger Zeit gibt es Entwarnung, der Scheitelpunkt ist erreicht. Die Polizei fährt wieder weg.

Das Wasser geht tatsächlich zurück und wir können beruhigt schlafen gehen.

Tagesstrecke: 33 km

 

Mittwoch, 18.09.2024

Was für ein Sonnenaufgang.

Auf dem Weg zum „Château Mouton-Rothschild“ passieren wir einige wunderschön angelegte Weingüter der Spitzenklasse.

In dem kleinen Dorf Le Pouyalet parken wir und gehen zu Fuß weiter, bis wir zu dem Empfang kommen. Hier geht es nicht mehr viel weiter. Erstens kommen nur Gruppen nach Voranmeldung zu einer Möglichkeit der Führung, und außerdem versperrt ein Bauzaun jeglichen Einblick.

Da, und noch viel mehr, wächst nur Mouton-Rothschiuld.

Wir fahren noch ein Stück weiter zum „Château Lafite Rothschild“. Da können wir noch nicht mal hinsehen. Nee, nee, jetzt wollen wir nicht mehr! :-))

Stattdessen fahren wir heute nach Hourtin-Port. Dafür geht es wieder auf schnurgeraden Straßen quer durch die Medoc-Halbinsel. Bei dem Namenszusatz „Port“ könnte man auf den Gedanken kommen, dass wir wieder am Atlantik landen, dem ist aber nicht so. Hourtin-Port liegt an einem Binnensee – dem Lac d’Hourtin.

Vorher machen wir eine Mittagsrast in Hourtin, und kehren im „Hotel-Restaurant d’Hourtin“ ein.

Wir sind sowieso Mittagsesser, deshalb fahren wir damit in Frankreich auch so gut, ganz egal ob bei den Mittagstischen für die Arbeiter bzw. Lastwagenfahrer, oder bei anderen guten Angeboten, wie dem in diesem Hotel-Restaurant für EUR 16,00.

Unser heutiges Menü:

freie einmalige Auswahl vom Vorspeisen-Büffet

bzw. bei Lena

Poitrine de porc laquée avec Purée (glasierter Schweinebauch mit Püree)

Ile Flottante au caramel (gestochener Eischaum mit Vanille-Caramel-Soße)

bzw. bei Lena

Salade des fruits (Obstsalat)

Das Essen war geschmacklich vorzüglich. Vielleicht gehen wir bei der Weiterfahrt nochmal hier essen.

Hourtin-Port ist jetzt der dritte reine Urlauberort, nach La Palmyre und Montalivet-les-Bains, bei denen die Saison schon vorbei ist, und alles geschlossen wird.Momentan hat noch eine Bar richtig auf. Alles andere hat zu.

Der große Wohnmobil-Stellplatz mit V+E (Gebühr EUR 14,00) ist fast leer. Der Badestrand wird von ein paar Personen genutzt. Das Wasser reicht uns über eine weite Strecke nur bis zu den Knöcheln. Das ist zu wenig um sich abzukühlen. Das ist uns auch alles zu kahl. Wir ziehen uns unter die Bäume beim Wohnmobil zurück und widmen uns der Literatur.

Wir können uns zum Glück ja selbst versorgen, und backen in unserem Omnia-Backofen uns die Brötchen selbst auf. Und am Abend öffnen wir unsere eigene Bar.

Tagesstrecke: 36 km

 

Donnerstag, 19.09.2024

Hier in Hourtin-Port hält uns nichts. Wir fahren in die Bucht von Arcachon nach Andernos-les-Bains.

Der kostenpflichtige Wohnmobil-Stellplatz mit V+E von Andernos-les-Bains liegt bei dem Port Ostréicole. Die vorderen Flächen sind bis auf den letzten Platz belegt. Wir fahren weiter zu den Parkbuchten entlang der Anliegerstraße. Dort ist noch etwas frei für uns. Der Strand der Bucht von Arcachon ist direkt dabei, und hinter uns ist ein Naturschutzgebiet.

Der Kassenautomat vom Stellplatz ist z.Zt. defekt und der Platz kostet im Augenblick nichts. Das ist auch gut.

Am Nachmittag machen wir einen Spaziergang durch den Hafen mit den Hütten der Muschel- und Austernzüchter. Das ist für uns, wenn wir hier sind, immer die erste Handlung. Während wir so daherschlendern und uns alles anschauen, haben wir auch den Imbiss gefunden, wo wir heute Abend essen wollen.

Hier sitzen wir schön und haben vor uns einen zauberhaften Himmel.

Der gekühlte Wein steht schon bereit, damit wir auf den beginnenden Sonnenuntergang anstoßen können.

Tischlein, deck dich – Crevettes rosé, Bigournos (kleine schwarze Meeresschnecken), Bulots (große Meeresschnecken) und Austern mit Aioli und Baguette

Die Sonne ist untergegangen und es sind nur noch Schalen in den Schüsseln.

Es kehrt Ruhe ein.

Tagesstrecke: 59 km

 

Freitag, 20.09.2024

Wir haben sehr gut geschlafen, und werden von den verschiedensten Vogelstimmen am Morgen begrüßt.

Heute gehen wir in die Stadt und besuchen den großen Wochenmarkt. In den Gassen um die Markthalle und auf dem Vorplatz ist alles voll mit Marktständen mit unterschiedlichsten Warenangeboten.

Bei den ganzen Auslagen der Marktstände läuft uns schon das Wasser im Mund zusammen, und in der Markthalle wird es auch nicht besser.

Zum Glück gibt es hier einen vernungtigen Imbiss. Die Speisekarte liest sich schon gut. Wir einigen uns auf Couteaux marinés und Poélée de chipirons mit einem Becher Château Talmont rosé und Wasser.

links sind die Chipirons und rechts die Couteaux

Es schmeckt sehr gut. Doch es gibt Dinge zwischen Himmel und Erde, die zu Änderungen führen.

Tagesstrecke: 0 km

 

Samstag, 21.09.2024

Wir verlassen Andernos und fahren in Richtung Heimat. Wir müssen mal schauen, wie weit wir kommen. Über Bordeaux und Angoulême fahren wir bis nördlich von Limoges. Unterwegs kaufe ich noch schnell ein Baguette, bevor die Bäckerei zu macht. Wir kommen auch durch kleine sehenswerte Orte, die wir uns unbedingt noch einmal anschauen sollten.

Unser Ziel ist ein Kunstschlosser mit seinem Übernachtungsangebot von France Passion. Bei der Zufahrt nutzen wir bereits einen ausgefahrenen Wirtschaftsweg. Sträucher und Äste malträtieren unser Wohnmobil. Endlich erreichen wir den vorgesehenen Übernachtungsplatz. Ein anderes Wohnmobil steht schon dort. Unser Wohnmobil ist leider etwas höher und wir können nicht unter den  tief hängenden Ästen hindurchfahren.

Nach einigen fehlgeschlagenen Versuchen, stellen wir uns einfach in eine kleine Abzweigung des Weges. Wir stehen an einem mystischen See im Wald. Von dem Kunstschlosser und seinen Pferden haben wir nichts gesehen. Doch seine Frau kommt vom Markt, und wir kaufen ihr noch ein paar Honiggläser ab.

 

 

 

 

 

 

Tagesstrecke: 256 km

 

Sonntag, 22.09.2024

Seit gestern Abend regnet es immer mal wieder. Auch heute Morgen bleibt der
Regen uns erhalten. Wir bleiben auf der N145, die hier durchgängig 4-spurig ist. In Montlucon essen wir bei einem Royal-Wok, so viel Gutes muss sein.

Hier ist eine kleine Auswahl von dem köstlichen Büffet.

Und weiter geht es über Moulins bis nach Molinet. Dies ist ein kleiner Ort vor Digoin. Der dortige kostenlose Wohnmobil-Stellplatz mit V+E liegt direkt an dem Kanal Latéral à la Loire. Wir haben das Hinweisschild zu dem Platz erst gesehen, als wir schon fast an der Einfahrt vorbei gefahren sind. Eigentlich wollten wir nach Digoin.

Der Stellplatz von Molinet liegt versteckt hinter einem Gebäude, ist sehr gepflegt, und ist bereits fast vollständig belegt. Wir können uns noch einen genehmen Platz aussuchen. Nach uns wollen noch einige Wohnmobile auf diesen Platz. Er scheint als Übernachtungsplatz auf der N79 bekannt zu sein.

Gegen Abend legt auch noch ein Boot an.

Tagesstrecke: 300 km

 

Montag, 23.09.2024

Morgens hört man das Brummen von weiteren Schiffen auf dem Kanal. Eines bekommen wir auch noch zu Gesicht. Es ist ein umgebautes Frachtschiff.

Es ist wirklich ein schöner Stellplatz, aber wir müssen weiter. Über Montceau-les-Mines fahren wir bei Chalons-sur-Sâone auf die Autobahn in Richtung Nancy. Irgendwann um die Mittagszeit halten wir auf einem Rastplatz in der Nähe von Beaune. Die Wegweiser für Wohnmobile leiten uns in ein Waldstück. Es ist ein regelrechter Irrgarten, so wie wir geführt werden.

Heute wird selbst gekocht. Lena hat aus den Resten von Baguettes der vergangenen Tage Semmelknödel gemacht. Dazu gibt es eine Pilzsoße.

In Höhe von Toul ist die Mautstelle. Wir haben für die Strecke heute EUR 97,90 an Maut (Kl. 2) zu bezahlen. Das weitere Stück Autobahn für uns ist kostenlos.

Der Wohnmobil-Stellplatz in Pont-a-Mousson, den wir anfahren, ist complet. Die Schranke ist schon unten. Was nun? In dem französischen Stellplatzführer finde ich noch einen Stellplatz mit V+E kurz vor Metz in Scy-Chazelles. Er gehört einem Yachting-Club.  Der Stellplatz sieht zwar auch voll aus, doch werden wir sofort von der Kassiererin platziert. Die Übernachtungsgebühr beträgt EUR 12,00.

Das Wetter hat sich wieder verschlechtert. Es regnet.

Tagesstrecke: 434 km

 

Dienstag, 24.09.2024

Es schauert. Nilgänse begleiten mich in gehörigem Abstand ein paar Meter. Auf dem Weg zum Supermarkt werde ich nass. Dafür haben wir aber frisches Baguette.

Auf der Heimfahrt nutzen wir einen Zwischenstopp bei Cora, wobei wir sogar noch ein paar Kilometer wieder zurück fahren, für den Kauf von französischen Lebensmitteln. die wir Zuhause nicht bekommen, und einigen Mitbringseln für die Familie.

Und weiter geht’s. In Luxembourg fahren wir bei Wasserbillig auf den Rastplatz um zu tanken und Eiles-Kaffee zu kaufen. Wir sollen dort nicht essen. Auf der anderen Seite haben wir uns, nach den gemachten Erfahrungen, schon von der Currywurst mit Pommes fern gehalten. Warum gehen wir hier zum „Burger King“? Nur weil wir Pappdeckel essen wollen, und dafür noch Geld bezahlen?

Auf jeden Fall wissen wir, was uns das Essen in Frankreich wert ist. Das bleibt haften. Wir schaffen trotz des Essens an dem Rastplatz die letzten Stunden unserer Fahrt, und kommen gut Nachhause.

Tageasstrecke: 293 km

 

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